Besucht man heute eine Kindergartengruppe, finden sich viele Kinder, die eine hübsche Brille tragen. Die berühmten grauen oder schwarzen „Kassenmodelle“ von vor zwanzig Jahren sitzen heute glücklicherweise auf keiner Kindernase mehr. Eine Brille zu tragen, ist inzwischen selbstverständlich und fällt nicht weiter auf. Es ist jedoch gar nicht lange her, dass Kinder mit einer Brille von anderen als „Brillenschlange“ gehänselt wurden.
Diese Kinder sind heute selbst Eltern. Sie haben die Erfahrung
gemacht, dass es gut war, eine Brille zu tragen und dass es
keinen Grund dafür gibt, eine Sehhilfe als Manko zu werten.
Das Bewusstsein der Eltern hat sich mit dem Generationenwechsel
geändert. Dank ihres offenen Umgangs mit dem Thema Sehschwäche
erleben es Kinder heute als selbstverständlich, wenn sie
selbst oder jemand anderes eine Brille trägt.
Im Fall von Kindern mit einer Hörstörung gab es
eine ganz ähnliche Entwicklung. Da aber, verglichen mit
der Zahl der unter einer Sehschwäche leidenden Kinder,
insgesamt weniger Kinder von einer Hörschwäche betroffen
sind, nahm die Öffentlichkeit nur wenig Notiz von Kindern
mit „Hörgeräten“, selbst wenn diese hübsch
und schön bunt waren.
Auch hier finden sich heute Eltern, die mit der Hörbehinderung ihres Kindes und deren technischer Behebung engagiert und offen umgehen. Sie haben selbst erlebt, dass ihnen die moderne Hörtechnik ein normales Schul- und Arbeitsleben ermöglicht hat.
Wenn Sie auch nur den leisesten Verdacht haben, dass Ihr Kind nicht richtig hört, lassen Sie es umgehend von einem speziell ausgebildeten Mediziner – einem Pädaudiologen – untersuchen. Lassen Sie sich von NIEMANDEM anderem vertrösten und geben Sie Ihre Kompetenz gegenüber den Belangen Ihres Kindes nicht aus den Händen. Nur Sie allein kennen Ihr Kind und sein Verhalten!
Eine Hörstörung bei einem Kind festzustellen bedarf sehr viel Erfahrung und noch mehr Einfühlungsvermögen.
Kinder, die mit einer Hörstörung geboren werden, lernen, diesen Mangel zu kompensieren. Sie sind wachsamer mit den Augen, sie entwickeln intensiver die Fähigkeit, zu fühlen (selbst kleinste Luftzüge werden bemerkt) und zu riechen, um damit die Hörschwäche auszugleichen. Das tun sie nicht bewusst, vielmehr sorgt die Natur dafür, das eine Hörschwäche „unbemerkt“ vom Organismus kompensiert wird. Fällt ein Organ aus, versuchen andere, die Aufgaben zu übernehmen.
Diagnostiziert der Pädaudiologe oder der HNO-Arzt eine Hörminderung, stellt er eine ohrenärztliche Verordnung einer Hörhilfe aus. Wenn Sie persönlich das Glück hatten, gesund durch Ihr bisheriges Leben zu gehen, wird Sie die Diagnose „Hörstörung bei Ihrem Kind“ möglicherweise zunächst hart treffen. Und das hat auch einen Grund.
Begriffe wie „Hörstörung“ und „Hörgeräte“ lösen
bei vielen Menschen noch immer bestimmte Assoziationen aus,
im schlimmsten Fall etwa die Vorstellung von Dummheit. Ursachen
für ein solches Verhalten finden sich zum Teil in der
Sprache. „Taub“ liegt sprachlich sehr nah bei „tumb“ und „der
tumbe Tor“ war für gewöhnlich der „Dorftrottel“. Die
englische Bezeichnung für „taub“ lautet „deaf“.
In der mit dem Englischen verwandten niederländischen
Sprache bekommt man eine Hörtechnik daher bei den „Handlers
for dofen“. Und wer von uns hat nicht selbst schon einmal über
die Figur des „schwerhörigen Opas“ gelacht,
die in vielen Komödien vorkommt, und deren Komik sich
ihrem für andere „lustigen“ Nicht-und-Falsch-Verstehen
verdankt?
Ihr Kind darf nicht den Eindruck bekommen, dass es etwas trägt, was man verstecken muss oder denken, es habe etwas, wofür sich seine Eltern schämen. Räumen Sie die alten Vorurteile aus dem Weg, damit sich diese nicht auf Ihr Kind übertragen und versuchen Sie keinesfalls, die Hörtechnik und damit die Hörbehinderung zu verstecken oder zu verheimlichen. Gehen Sie offen und engagiert mit dem Thema um. Andernfalls erwachsen für Ihr Kind Probleme, die das Gegenteil von dem bewirken können, was Sie als Eltern erreichen möchten. Ihr Kind trägt dann aus Scham oder Verunsicherung möglicherweise die Hörtechnik nicht und kann sich nicht altersgemäß entwickeln.
Bedenken Sie: Jeder Tag, jede Stunde ohne ausreichende Höreindrücke verzögert die normale Entwicklung der Sprache.
Da jeder Tag zählt, haben es der Pädaudiologe, HNO-Arzt und Pädakustiker mit der Hörtechnik für gewöhnlich auch sehr eilig. Ab dem Tag der Diagnose beginnt für Sie und für uns eine neue Zeitrechnung - Die Zeit vor und nach der Diagnose. Lassen Sie uns jede Möglichkeit nutzen, damit Ihr Kind möglichst schnell viel Hören erlernen kann.
Ich höre mein Leben – unter diesem schönen
Motto steht leider nicht das Leben eines jeden Kindes. Jährlich
werden 1,5 von tausend Säuglingen mit
einem Hörschaden geboren. Die Früherkennung und schnellstmögliche
Versorgung mit geeigneten Hörsystemen zählt zu den
wichtigen Aufgaben für Pädiater, Pädaudiologen
und HNO-Fachärzte. In vielen Regionen Deutschlands ist
die Früherkennung von Hörschäden erfolgreich.
Dennoch gehört das allgemeine Hörscreening von Neugeborenen
noch nicht zum Standard. Dies hat zur Folge, dass ein Drittel
der Kinder mit einer Hörentwicklungsverzögerung eingeschult
werden. Das belegen aktuelle Untersuchungen.
GEERS konzentriert die Erstversorgung von Säuglingen oder Kleinkindern in Kinderhörzentren (KHZ), in denen für diese Aufgaben spezialisierte Pädakustiker tätig sind. Die Kinderhörzentren kooperieren mit den benachbarten pädaudiologischen und pädagogischen Einrichtungen. Wenn die Versorgung mit Hörsystemen im KHZ abgeschlossen ist, übernehmen die GEERS-Fachgeschäfte „nahe dem Wohnort der Eltern“ die regelmäßige Betreuung.
Die Bedeutung des Hörens für die Entwicklung des Kindes
Gleich eine Woche nach dem Entstehen neuen Lebens entwickeln sich an dem kleinen, etwa 1 cm großen Fötus kleine Ohren, die nur mithilfe eines Mikroskops erkennbar sind. Nach 4,5 Monaten ist bereits das eigentliche Hör-Organ, die Hörschnecke (Cochlea), fertig ausgebildet und in seinem Größenwachstum (die Größe entspricht der eines Kirschkerns) abgeschlossen. In der Mitte der Schwangerschaft ist das Hörorgan fertig ausgebildet – und hört.
Das Gehör bildet die am frühesten entwickelte Sinnesfähigkeit. Von Anfang an nimmt das Kind im Mutterleib den Schall von außen wahr und gleich nach der Geburt kann das Neugeborene die Stimme der Mutter von fremden Stimmen unterscheiden. Die vollständige Reifung der Hörbahnen im Gehirn erfolgt jedoch erst in den darauf folgenden Monaten und Jahren und wird durch gehörte Schallereignisse bestimmt. Die Voraussetzung dafür ist, dass Schallreize wahrgenommen und durch das Gehirn verarbeitet werden. Mit der Wahrnehmung von akustischen Reizen verbindet sich jedoch nicht allein die Hör-Entwicklung, sondern auch die Sprach-Entwicklung. Damit prägt das Gehör insgesamt den allgemeinen Entwicklungsstand des Neugeborenen. Wenn das Kind nach der ersten Lallphase, etwa ab dem 4./5. Lebensmonat, mit seiner Stimme zu spielen beginnt, steuert es diese Lall-Spiele bereits mit seinem entwickelten Gehör. Ohne Gehör bleibt dieser Schritt aus.
Ein Säugling oder Kleinkind mit einer Hörstörung ist kein Kind, das nicht hören kann, sondern ein Kind, dessen gesamte Entwicklung verzögert wird. Ohne eine gesunde Hörfähigkeit entwickeln sich Neugierde, Aufmerksamkeit, Aktivität und Motorik nicht im natürlichen Zeitrahmen. Zumeist haben die Eltern als erste den Verdacht, dass mit ihrem Kind etwas nicht in Ordnung ist, da es sich anders verhält, als von ihnen erwartet. Beispielsweise erschrickt das Neugeborene nicht, wenn eine Tür zuknallt.
Wenn Zweifel hinsichtlich einer intakten Wahrnehmung auftreten, sollte der erste Weg zu einem erfahrenen Kinderarzt führen, der einen Gehör-Spezialisten für Kinder, einen Phoniater und Pädaudiologen, in die Untersuchung mit einbezieht. Wenn eine pädaudiologische Beratungsstelle oder ein Pädakustiker am Ort ist, kann auch direkt hier der erste Kontakt erfolgen.
In jedem Fall kommt es darauf an, dass kurzfristig gehandelt und keine Zeit verschenkt wird. Alle Spezialisten sollten sofort mit ihren Maßnahmen beginnen können. Mit jedem Tag ohne Gehör oder schlechtem Gehör verschlechtern sich die Entwicklungs-Chancen für das Hören, Sprechen und die damit verbundenen Fähigkeiten. Fachleute gehen davon aus, dass unsere Sprachentwicklung mit 4 Jahren (1.460 Tage) weitgehend abgeschlossen ist. Jeder Tag ohne gutes Hören fehlt in dieser Zeit der Sprachentwicklung.
Früherkennung von Hörschäden verbessert die Sprachentwicklung
Die Verzögerung der Sprachentwicklung kann zwei Ursachen haben:
- Zu Hause wird mit Säuglingen und Kleinkindern zu wenig gesprochen. Geschichten vorlesen oder das gemeinsame Gespräch über ein Bilderbuch - und das heißt, Hören und Sprechen üben - wird zu oft durch regelmäßiges, stundenlanges Fernsehen ersetzt. Nicht ohne Hintersinn spricht der Volksmund von „vor der Glotze hängen“ - Kein Mensch hat bislang mithilfe des Fernsehers Sprechen gelernt.
- Ein nicht entdeckter Hörschaden beim Säugling oder Kleinkind führt dazu, dass fehlendes Hören durch Hinschauen ersetzt wird. Von den Erwachsenen unbemerkt, entwickelt das Kind seine eigene „Mundablese-Sprache“. Es versteht dabei andere aber nur teilweise und hört seine eigene, fehlerhafte Sprache nicht.
1. Warum muss mein Kind zum Spezialisten?
Im Vergleich zu der Zahl erwachsener Hörgeschädigten fällt die Zahl hörgeschädigter Kinder geringer aus. Auch handelt es sich hierbei um unterschiedliche Gruppen. Erkenntnisse und Erfahrungen mit erwachsenen Hörgeschädigten können auf die Hörsystemversorgung von Kindern nicht übertragen werden. Hörgeschädigte Kinder sind keine kleinen Erwachsenen mit einem Hörschaden.
Für die Betreuung von Kindern sind zusätzliche Kenntnisse notwendig, z. B. zur allgemeinen Entwicklung des Kindes und zur Entwicklung des kindlichen Gehörs. Es ist ein ganz spezielles Know-how gefragt. Bedenken Sie:
- Kinder müssen während des Hörtests sehr genau beobachtet werden. Sie müssen mit viel Phantasie zur Mitarbeit motiviert werden - das erfordert viel Fingerspitzengefühl.
- Die Abformung des Ohres bedarf vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern sehr viel Erfahrung.
- Meist können Kinder nicht schildern, ob sie laut oder leise, dumpf oder hell hören. Bei der Einstellung der Hörtechnik muss zunächst mit angenommenen Werten gearbeitet werden – daher ist Erfahrung gefragt.
Diese Erfahrungen und Kompetenzen in der Kinderversorgung können nur im Rahmen einer täglichen Praxis erworben werden. Hörakustiker, die nur gelegentlich die Versorgung von Kindern vornehmen, verfügen über keine ausreichende Kompetenz in diesem besonderen Bereich. Bei GEERS wird die Erstversorgung von Säuglingen und Kindern mit Hörtechnik deshalb ausschließlich in einem Kinderhörzentrum (KHZ) durchgeführt. Hier sind speziell ausgebildete Pädakustiker tätig, die sehr eng mit Phoniatern und Pädaudiologen zusammenarbeiten und daher über umfangreiche Kenntnisse hinsichtlich dieser besonderen Problematik verfügen. Im Rahmen ihrer Zusammenarbeit können aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse ausgetauscht und laufend in die tägliche Arbeit mit einbezogen werden. Das schafft Klarheit, spart Zeit und führt zu einer schnellen Hörtechnik-Versorgung.
In unseren Kinderhörzentren können sich Kinder und Eltern gleichermaßen wohl fühlen. Die Untersuchungen finden in einer kindgerechten Atmosphäre statt und die technische Ausstattung entspricht dem höchsten Niveau. Spezielle Messsysteme ermöglichen Mess- und Prüfverfahren, die sogar Hörprüfungen bei Neugeborenen und Säuglingen ermöglichen.
Damit die Belastung der Eltern möglichst gering ausfällt, werden die an die Erstversorgung anschließenden regelmäßigen technischen Überprüfungen der Hörsysteme in nah am Wohnort gelegenen GEERS-Fachgeschäften durchgeführt.
Wie funktioniert das Ohr eigentlich?
- Schall wird von der Ohrmuschel aufgefangen, gebündelt und gelangt durch den Gehörgang zum Trommelfell.
- Das Trommelfell beginnt infolge dessen zu vibrieren.
- Dadurch werden die drei miteinander verbundenen Gehörknöchelchen (Hammer, Amboss, Steigbügel) in Bewegung gesetzt.
- Das letzte Gehörknöchelchen ist mit dem Innenohr (auch Hörschnecke oder Cochlea genannt) verbunden. Die Bewegung dieses Gehörknöchelchens wird daher auf die Flüssigkeit im Innenohr übertragen.
- Diese Bewegung stimuliert wiederum tausende kleiner Haarzellen, welche die Schwingungen in elektrische Impulse umwandeln.
- Diese elektrischen Impulse leitet der Hörnerv an das Gehirn weiter.
- Das Gehirn interpretiert die entsprechenden Signale – wir hören!
Was ist am Gehör meines Kindes anders?
Bei Hörstörungen unterscheidet man die Schall-Leitungs-Schwerhörigkeit, Schall-Empfindungs-Schwerhörigkeit und die zentrale Schwerhörigkeit.
Schallleitungsschaden
- Betroffen ist das Außen- und/oder Mittelohr.
- Der Schall kann nicht bis zum Innenohr weitergeleitet werden.
- Symptome: Man hört alles leiser, die Qualität bleibt erhalten.
Schallempfindungsschaden
- Betroffen ist das Innenohr.
- Hier sind die Haarzellen teilweise geschädigt. Der Schall kann für den Hörnerv nicht mehr vollständig in elektrische Signale umgewandelt werden.
- Symptome: Das Gehörte wird undeutlicher und leiser wahrgenommen. Das führt im Kindesalter zu einer erheblichen Beeinträchtigung in der Sprachentwicklung.
Zentrale Schwerhörigkeit
- Betroffen ist das Hörgehirn.
- Symptome: Die Kinder können Geräuschquellen nicht lokalisieren oder innerhalb einer Geräuschkulisse bestimmte Stimmen nicht differenziert wahrnehmen. Zudem sind die Lautanalyse, das Spracherkennen und die Merkspanne für Zahlen und Sätze gestört.
Bei einem Kind können die drei beschriebenen Formen der Schwerhörigkeit isoliert oder in Kombination auftreten.
Was wird bei einem Hörtest geprüft?
Wir messen, bei welcher Lautstärke und Frequenz (tiefer-hoher Klang) Ihr Kind auf Schall reagiert.
Diese Ergebnisse werden in ein Audiogramm eingetragen.
- Auf der horizontalen Achse des Audiogramms ist die Frequenz (gemessen in Hertz) eingetragen, die von links nach rechts ansteigt.
- Auf der vertikalen Achse ist die Lautstärke (gemessen in db) eingetragen, die von oben nach unten immer weiter zunimmt.
Das Audiogramm zeigt an, ob Ihr Kind tatsächlich unter einem Hörverlust leidet und wenn ja, in welcher Stärke und Art.
Welche Auswirkungen kann die Schwerhörigkeit auf die Entwicklung eines Kindes haben?
Ist das Ohr geschädigt, wird auch die Entwicklung des Hörgehirns beeinträchtigt.
- Das Hörgehirn entwickelt sich innerhalb einer so genannten „sensiblen Phase“ in den ersten Lebensjahren besonders intensiv, und hier in den frühen Phasen am intensivsten. Für die Bedeutung dieser Entwicklungsphase steht das altbekannte Sprichwort „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.“
- Im Fall erwachsener Schwerhöriger verändert die jeweilige Schwerhörigkeit die im Kindesalter erworbenen Hörvorstellungen. Diese Änderungen können durch den Einsatz von Hörsystemen jedoch mehr oder weniger ausgeglichen werden.
- Ganz anders verhält es bei Kindern. Diese entwickeln ihre Hörvorstellungen ja überhaupt erst. Entscheidend für das Verständnis kindlicher Schwerhörigkeiten ist das Wissen um genau diese Entwicklungsvorgänge.
Beobachten Sie in der Natur einen Baum. In Abhängigkeit von Licht, Wasser und Dünger entwickelt sich ein Baum mit Stamm, Ästen und Blättern zu einer stattlichen Größe. Der gleiche Baum kann unter Entzug von Licht, Dünger und Wasser in seinem Wachstum deutlich behindert werden.
Genauso verhält es sich mit der Sprachentwicklung im Kindesalter. Nur ein intaktes Gehirn, ein intaktes Ohr und hinreichende Anregung seitens der Eltern bewirken zusammen, dass ein Kind mit einem Jahr die ersten fünf Wörter spricht. Abweichungen von diesen Vorbedingungen führen zwangsläufig zu einer Verzögerung in der Sprachentwicklung
Schädigungen des Ohres haben Beeinträchtigungen in der Entwicklung des Hörgehirns zur Konsequenz. Jede Verzögerung in der Diagnostik und Hörsystemversorgung ist daher verlorene Zeit!
Was passiert bei der Anpassung eines Hörsystems?
Ist die Diagnose gestellt, haben wir es sehr eilig. Ihnen mag es vielleicht zu schnell gehen, denn Sie möchten sich erst einmal vom Schock der Diagnose erholen und sich mit der Tatsache, ein hörbehindertes Kind zu haben, gedanklich auseinander setzen. Aber bedenken Sie: Für Ihr Kind zählt jetzt jeder Tag, jede Stunde!
Die Versorgung Ihres Kindes läuft nun in folgenden Schritten ab:
- Kontaktaufnahme mit dem Kinderhörzentrum
- Vorgespräch und Ohrabformung – Information zu Technik und Ohrschalen
- Erstanpassung der Hörtechnik, erste Kontrolle der Hörreaktionen, Einweisung in die Bedienung
- Erfahrungsaustausch, Feinanpassung der Hörtechnik und Kontrolle der Hörreaktionen
- Weitere Kontrollen je nach Verlauf der Anpassung
Je nachdem, wie die Zusammenarbeit organisiert ist, finden die Betreuung der Kinder und die regelmäßige Informierung der Eltern entweder im Kinderhörzentrum oder/ und in der Pädaudiologie statt. Zudem wird der Kontakt zur Schwerhörigen-Frühförderung hergestellt. Hier erhalten Sie wertvolle Anregungen für den Höralltag. Sind die Kinder erst einmal größer, suchen sie sich beispielsweise gerne grazilere Ohrschalen aus, die mit Strasssteinen oder anderen Accessoires ausgestattet sind.
Was geschieht in der Hörtechnik?
Um alle Hörsituationen zu meistern, bedarf es mehr als nur der Hörtechnik. Das Hörsystem besteht aus der Hörtechnik und Ergänzungen.
Bei Kindern kommt allein die Hinter-dem-Ohr-Technik (HdO-Technik) zum Einsatz, die sich für jede Form des Hörverlustes eignet. Der Schall gelangt bei diesen Geräten über einen Schlauch und die Ohrschale ins Ohr.
Die HdO-Technik setzt sich aus verschiedenen Elementen zusammen:
- Das Mikrofon hat die Aufgabe, den Schall aufzunehmen. Sprache, Musik, Geräusche und alle anderen Schallereignisse werden im Mikrofon in elektrische Schwingungen umgewandelt, die dann im Verstärkerteil verstärkt und aufbereitet werden.
- Die Telefonspule gestattet es, mit einer Systemergänzung den Schall direkt ohne Störgeräusche von Radio, TV, CD-Player aufzunehmen.
- Mit dem Lautstärkesteller wählen hörerfahrene, ältere Kinder die gewünschte Lautstärke. Bei jüngeren Kindern, die das Hören erst noch erlernen müssen, kann der Lautstärkesteller verdeckt oder unwirksam gestellt werden.
- Im Verstärker werden die Übertragungseigenschaften der Hörtechnik auf die Hörschwelle und die individuellen Bedürfnisse eingestellt.
- Damit am Ende wieder Schall verändert, gefiltert und deutlich das Ohr trifft, benötigt man einen Lautsprecher.
- Der Schalter dient dazu, die Hörtechnik an- und auszuschalten und vom normalen Hören mit dem Mikrofon (M) auf Telefonspule (T) umzustellen.
Die Fortschritte im Bereich der Hörtechnik haben in den vergangenen Jahren eine rasante Entwicklung erlebt. Wurden analoge Systeme noch per Hand und mit einem kleinen Schraubendreher auf den individuellen Hörverlust eingestellt, werden diese Einstellungen heute computergestützt durchgeführt. Diese Systeme bieten eine Vielzahl von Einstell-Optionen und ermöglichen eine exaktere Einstellung hinsichtlich des Grades des jeweiligen Hörverlustes. Geräte mit digitaler Sprachverarbeitung bieten neue Möglichkeiten bei der Sprach- und Geräuschverarbeitung. Welche Hörtechnik bei Ihrem Kind zum Einsatz kommt, hängt von verschiedenen Faktoren ab.
Warum reagiert nicht jedes Kind sofort mit einer Hörreaktion auf die Hörtechnik?
- Kinder haben in der Regel keine oder nur wenig Hörerfahrung.
- Denken Sie an den Führerscheinerwerb. Es bedarf einer langen Übungsphase, um alle Funktionen rund um das Autofahren sicher zu beherrschen. Auch das schwerhörige Kind muss sich auf die neue Hörsituation mit Hörsystemen einstellen. Diese Gewöhnungsphase beträgt ca. 4-6 Monate. In dieser Zeit lernt das Gehirn, zu hören.
- Ein Wechsel der Hörtechnik in dieser Phase erscheint nicht sinnvoll, denn dadurch wird der eingeleitete Lernvorgang unterbrochen. Das Kind muss sich die Welt der Hörenden erst Schritt für Schritt erarbeiten. Es kann vorkommen, dass mit Hörtechnik zunächst keine Veränderung des Hörverhaltens des Kindes zu erkennen ist. Geduld ist gefragt
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